Diverse Rezensionen und Kritiken zum Buch Wachstumsschmerzen

 

Rezension von Sylvia Tornau, Lyrikerin und Autorin. Deutsche Autorinnenvereinigung e.V.


Der Gedichtband der Schweizer Autorin Judith Faller liest sich wie ein lyrischer Wegweiser durch die inneren Landschaften des zerfaserten Ich auf der Suche nach Wegen zum bewussten Selbst. Die Stationen, an denen das Ich zum Selbst unter Schmerzen wachsen kann, heißen Kindheit, Beziehung, Trennung, Kommunikation. Was sagen wir, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen? Plappern wir? Reden wir? Sagen wir etwas? Trauen wir uns das zu sagen, was wir sagen wollen oder verbergen wir den tieferen Sinn hinter oberflächlichen Worten aus Angst vor Blöße, Nacktheit, Verletzbarkeit? Oder sind wir „auswärts daheim“, nur selten bereit zu Kommunikation, die anwesende Gegenüber benötigt? Wie oft verfallen wir in „bedeutungsloses gerede“ und fühlen uns unwohl dabei? Wann hören wir in einer Beziehung auf miteinander zu sprechen?

Judith Faller beobachtet und hält fest. Sie entlässt uns in die Sprachlosigkeit der beschriebenen Situation, wie z.B. im Gedicht „außergewöhnlich“:

jeglicher versuch
einer stimmungsdeutung
fällt betongleich
auf die gespannte
atmosphäre
der nicht stattfindenden
kommunikation

Das sind Situationen, die wir kennen. Wer saß nicht schon einmal in einem Kaffee und beobachtete sich anschweigende Paare. Wer saß nicht schon einmal in der Falle des Schweigens, wenn auch nur einer der beiden Partner sich der Kommunikation entzieht? Warum habe ich geschwiegen? Diese Fragen und Erinnerungen werden wach beim Lesen dieser Gedichte.

Sehr berührend finde ich das Gedicht „die rose“. Hier beschreibt die Autorin die Verhinderung des Wachstums einer jungen Pflanze. Ich assoziiere Kind. Das Wachstum des Kindes wird verhindert durch einen Männerschuh, der auf ihm stand. Es entstehen Bilder in meinem Kopf: Ein Mann, der mit erhobener Hand vor einem Kleinkind steht. Ein brüllender Mann. Ein zärtlicher Mann, der mit der noch nicht vorhandenen Sexualität eines kleinen Kindes spielt. Der Mann, nein, dieser Mann, als Verhinderer von Wachstum. Er könnte jeder sein, aber nicht jeder Mann stellt seinen Fuß achtlos oder bewusst auf ein wachsen Wollendes. Aber auch in diesem Gedicht setzt sich das Leben, das Wachstum der Seele durch. Denn den Nährboden der Rose kann der Mann nicht zerstören und im Lauf der Jahre verliert der Mann seine Kraft. Anstelle der Rose wächst eine Tulpe. Offen bleibt die Frage, wie es der Tulpe mit dem Bewusstsein geht, dass sie doch eigentlich eine Rose hätte werden können.

Judith Fallers Gedichte bringen etwas zum Klingen in mir. Diese kurzen Sequenzen des Lebens, festgehalten in lyrischer Verknappung, eingefrorene Situationen mit einem Zoom aus Worten so nah geholt, dass all die Feinheiten des menschlichen Miteinanders deutlich werden. Deutlich wie ein überschminkter Pickel, der nur sichtbar ist, wenn wir das Gesicht aus der Nähe betrachten. Die Nähe hat den Effekt, dass wir den Blick dann wie magisch angezogen immer wieder verstohlen auf ebendiesen Makel lenken.
Mitunter sind diese Gedichte verstörend in ihrer Direktheit, in der Genauigkeit der Beobachtung. Sie sind aber auch Mutmacher, denn sie sagen: sieh hin, so ist es jetzt, in einem anderen Moment kann es wieder ganz anders sein. Stell dich deinen Ängsten und sie verlieren ihre Macht über dich. Wachstum ist möglich, in jeder Situation, wenn auch vielleicht anders als erwartet, gewollt. Wachstum kann Schmerzen bereiten. Trotzdem, Wachstum lohnt sich, denn das wachsende Selbst verliert sich nicht so leicht im Labyrinth des Daseins.

Meine Empfehlung: unbedingt lesen!

Judith Faller: wachstumsschmerzen. Gedichte, Wiesenburg Verlag, 125 Seiten, 16,80 €

 

 

Rezension von Claudia Maria Lehner, Künstlerin/Malerin aus Winterthur, Schweiz

 

Die Gedichte von Judith Faller haben mich tief beeindruckt. Sie sind atemberaubend schön, sprichwörtlich, denn beim Lesen hält man unwillkürlich immer wieder den Atem an, so sehr ziehen sie einen in ihren Bann, so dicht ist ihre Stimmung. Beim Lesen entfalten sich Seelen-Landschaften von einer unglaublichen Tiefe und Weite. Diese Weiten dehnen das Herz, dass es auch ein wenig schmerzt.
Judith Fallers Sprache ist ganz leiblich, körperlich. Damit sind nicht Worte, die sich auf konkret Körperliches beziehen gemeint, sondern das Körperliche wird spürbar im Leser selber, im Raum, im Zwischenraum, der entsteht.
Jedes Gedicht hat seinen eigenen Rhythmus. Manche Gedichte reissen einen mit, andere leuchten und donnern, glitzern und bluten. Scheinbar Paradoxes verdichtet sich, dreht die Schraube noch ein bisschen weiter, über den Anschlag hinaus, dreht damit an der Perspektive und ermöglicht dem Leser eine erweiterte Optik, die nicht gedacht, sondern gefühlt werden will.
Wie in einem Kaleidoskop sind Worte immer wieder anders und neu hingestreut und lassen so fein gewobene Teppiche entstehen, von einer atmosphärischen Dichte und kostbaren Schönheit. Gewoben aus Schmerz, Angst, Freude, Glück, Tod, Transzendenz, Einsamkeit, Sehnsucht, Wünschen, Visionen ' einem ganzen Kosmos von Empfindungen und Gefühlen. Dieser Kosmos findet sich transformiert in den Gedichten, in der Form des Gedichtes wieder.

 

 

Rezension von Kerstin Fischer, Schriftstellerin aus Deutschland

 

'"Sehnsuchtsozean'", "'Seelensubstanz'", "'Seelenfenster"', "'Sadomasochismus"'. Die Lyrikerin Judith Faller durchschreitet in ihren klaren, tief angelegten Gedichten in beeindruckender Weise Stationen möglichen menschlichen Seins und seine Erfahrungswelten. Mal wälzt sich das lyrische Ich dazu in Begierde auf Steinen, mal schlüpft es in die Entgrenzungen eines Borderliners oder steht am Grab des eigenen Sohnes, dann wieder verwehrt es sich mit sicheren Schritten anklagend gegen einen Narziss. Eine zarte Tulpe, die hier in packenden Bildern spricht: sie blüht und lacht, welkt und weint im Kreislauf des Stirb und Werde. Dies überzeugend, weil schonungslos. Zuweilen fast schon eine therapeutische Draufsicht, die, freilich nachgeordnet vor poetischer Einsicht, somit eine faszinierende Ergänzung erfährt, wohl nicht von ungefähr, arbeitete Judith Faller selbst doch auch in verschiedenen psychiatrischen Institutionen.

Dann aber auch immer wieder die blanke Sehnsucht nach Nähe, die die Verse trägt. Ein verstecktes Leitmotiv? Die Nähe zum anderen aber auch zu sich selbst, in der Rede an das innere Kind. Bodenständig, trotz allem, auch wenn Judith Faller über mehrere seelische Ebenen in diesen ungeheuer ausdrucksstarken Gedichten zu spiegeln und zu verdichten versteht. Alles ist Suche, alles ist Finden ...selbst im Untergang. Ein ausnehmend ansprechender Lyrikband, den die Schweizerin mit 'Wachstumsschmerzen' hier nun vorgelegt hat.

 

 

Aus dem Landboten
Aus dem Landboten

Rezension von Maria Ringel-Schreiber, Heilpraktikerin aus Deutschland

 

Ein wunderbar tiefsinniges Buch, das meine Welt ausdrückt. Hätte ich die Worte dazu, würde ich so schreiben ...immer und immer wieder zu lesen.

 

 

Rezension von Friedhelm Mäker, Lyriker aus Deutschland

 

Als Samuel Beckett, der Meister des absurden Theaters, gefragt wurde, wer den nun dieser " Godot " sei, antwortete er:" Wenn Sie es nicht wissen?!" Besser hätte er nicht antworten können. Fast genau so antworten Lyriker auf die dumme Frage:" Was haben Sie damit sagen wollen?" Die Gedichte von Judith Faller sind in der Tat Verdichtungen. Einen Roman in Kurzform zu fassen ist Lyrik. Und genau diese Erwartungen erfüllt die Autorin. Jeder Text steht für sich. Der Leser kann sich finden, das ist die Kunst und der Wert der Lyrik. Die Sprache ist verständlich, keine künstlichen Modernismen. Wortspielerei findet nicht statt. Die berufliche Nähe zu psychopathologischen Vorgängen ist nicht vordergründig, allerdings auch nicht zu übersehen. Und das ist spannend! Alles ist intensiv, beispielhaft das Gedicht " erwartungsdialog"... unglaublich krass/ wäre mein dank/ an dich/ sollte unerwartet/ eine ungegebene antwort/ auf meine nicht gestellte/ frage/ von dir kommen... Jetzt, verehrter Leser, tief durchatmen. Das ist starker Tobac. Lyriker dieser Zeit werden gerne in die Nähe Dichter vergangener Zeit gesetzt. Die Gedichte Rose Ausländers sind sehr nah, aber weit entfernt von der Autorin, sie ist keine Epigonin! Sollte es einen zweiten Lyrikband in naher Zukunft geben, Steigerung möglich? Das Buch selbst ist phantastisch. Faßt sich gut an, Schriftgröße unbd dieses knallige Rot... Der Verlag " Wiesenburg " hat einen Volltreffer gelandet.

 

 

Rezension von Esther Koch, Autorin in Deutschland

 

Ich wünschte, ich könnte eine Rezension schreiben, die diesem Lyrikband, so wie ich ihn erfahren habe, gerecht werden könnte.
Die Autorin schüttet eine Seele vor dem Leser aus. Ihre eigene Seele? Unsere Seele?
Wir finden uns selbst wieder in den Worten und Welten dieser 100 Gedichte; in diesen Worten, die malen, berühren, Finger in Wunden legen.

Gedichte muss man nicht immer interpretieren, man kann sie auch einfach nur lesen und auf sich wirken lassen. Und Frau Fallers Gedichte wirken!
Wir spüren den Schmerz, die Freude, die Angst. Wir sehen die Bilder der geschaffenen Welten. Wir hören die Schreie des Entsetzens, als seien wir selbst dabei, darin. Wir riechen die Blumen und das Blut.
Wir sind darin in diesen Welten, denn es sind auch unsere Welten, unsere Schmerzen, unser Wachstum.

Ich kann gar nicht sagen, in wie vielen von Judith Fallers Gedichten ich mich wiedererkannt habe. Sie versteht es, in unbeschreiblich intensiver Weise Gefühle in lyrischer Form über das Medium der Schrift hinüberzubringen zum Leser. Es geht dabei nichts verloren von der Emotion, dem Schmerz und der Liebe, der Lust und der Trauer.
Und wo ich mich nicht direkt selbst wiederfand, empfand ich doch Mit-Leid und Mit-Freude. Judith Fallers Lyrik lässt gar nichts anderes zu. Sie lässt nicht kalt. Sie packt den Leser und reißt ihn mit, reißt ihn hinein.

Die Themen in Frau Fallers Gedichten sind schön und furchtbar, positiv und hoffnungslos, optimistisch und angsteinflößend. Genauso wie das Leben selbst, in welches hineinzuwachsen wohl jedem Einzelnen auch das eine oder andere Mal Schmerzen bereitet.

Wer Worte nicht nur lesen, sondern auch einmal fühlen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

Ich konnte es nur in Etappen lesen, weil ich unter den geballten Emotionen auf diesen Seiten immer wieder innehalten musste. Es war eine Erfahrung für die ich Judith Faller danken möchte.

 

 

Rezension von Bookfairy aus Deutschland

 

Ein sehr schöner Gedichtband, der sich von dem, was sonst so in Deutschland angeboten wird, sehr angenehm abhebt. Kompliment an die Autorin!

 

 

Rezension von Anja Siouda, Schriftstellerin aus der Schweiz, lebend in Frankreich

 

Die vielseitig begabte Poetin und Kunsttherapeutin Judith Faller hat das einzigartige Talent, sowohl Schweres wie Leichtes dichterisch verblüffend in Worte zu fassen.
Natürlich führt man sich ihre (alphabetisch angeordnete) Gedichtsammlung „Wachstumsschmerzen“ am besten portionenweise zu Gemüte. Dass es keine leichte Kost ist, darauf deutet neben dem ausdrucksstarken Titel schon das von Judith Faller selber gestaltete Cover-Bild hin, in welchem die Verletzlichkeit des Menschen anhand von zwei zusammengekrümmten Föten, die beinahe gefesselt wirken, wortlos zur Sprache kommt. Zwei sich gegeneinander abkapselnde Wesen, die sich kaum berühren, ausser mit dem Kopf. Haltlose Kopflastigkeit und sichtbarer Schmerz scheint ihnen gemeinsam in ihrer blutigen Schwebe. Geborgenheit im Uterus scheint hier ein Fremdwort zu sein, zu unharmonisch wirken ihre Umrisse, sie erinnern an Stacheldrahtspitzen, die einerseits aus ihnen herauswachsen, mit denen sie aber auch gespickt sind. Von Harmonie und Bodenständigkeit ist hier nicht die Rede, aber von den für manche Menschen offenbar unumgänglichen „Wachsstumsschmerzen“, wie ich persönlich es interpretiere. Tatsächlich kommt in den Gedichten viel Schweres zur Sprache: physischer Schmerz (z.B. ewiges braun, krankheit) und psychisches Leiden: Unmöglichkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen, Einsamkeit, Eifersucht, Mangel an Kommunikation, menschliche Qual, Quälerei und Selbstverachtung, all diese menschlichen Unzulänglichkeiten und die damit verbundenen, teilweise fatalen psychischen Eigen– und Fremdmechanismen, entlarvt Judith Faller treffend, oftmals in schlichten, nicht überladenen Bildern aber überaus eindrücklichen, meisterhaften Wortschöpfungen.
Sie erdrückt und erschreckt einen schon auch etwas, diese gewaltige emotionale Schwere mancher Gedichte, in welche sowohl Elemente aus dem eigenen Leben wie aus dem Leben von Psychiatriepatienten eingeflossen sein dürften, mit denen Judith Faller bei ihrer Arbeit als Kunsttherapeutin in Kontakt war, doch findet man dazwischen gestreut auch lyrische Lichtblicke, die von Leichtigkeit, Freude und Humor zeugen. So z.B. das impertinente Gedicht „sex“, das wunderschöne Liebesgedicht „du“ oder Gedichte wie „geschenk“, „veränderliches glück“ und „liebespflanze“. Letzteres scheint mir eines der für mich persönlich Bedeutungsvollsten.
Anja Siouda, Schriftstellerin

 

 

Rezension von Rosemarie Schmitt,

Kolumnistin und Rezensentin in Deutschland

 

Judith Fallers Gedichtband «Wachstumsschmerzen» ist anders, anders als Vieles was mir bisher als Lyriksammlung untergejubelt wurde, und doch das große Jubeln bei mir ausblieb, stecken blieb in der Gefallsucht, in den Mitleid erhaschenden Ungereimtheiten der Reime. Judith Fallers Gedichte sind anders! Anders bereits die Inhaltsangabe, die weder thematisch noch psychologisch geschickt dramaturgisch angeordnet wurde, sondern noch viel geschickter, weil einfach, einfach authentisch, in alphabetische Reihenfolge gebracht. Alterslos, zwischen Achtsamkeit und Angst, Einengung zwischen Eine Pause für immer und einsam, die Wortsuppe zwischen den Widerstand und den Wunschprinzen gepflanzt.

manchmal
ist der Inhalt der aussage
nicht einmal mit gewalt
heraus zu kristallisieren
weil
es keinen derartigen
zwischen den leeren worthülsen
zu finden
gibt
(Judith Faller)

Bedeutungsloses Gerede, so lautet der Titel dieses Gedichtes. Ich fand kein einzig bedeutungsloses Wort darin, doch: Wer verleiht dem Wort eine Bedeutung? Der es schrieb oder es liest? Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich die ersten Gedichte Fallers las. Ich war in einer euphorischen, äußerst guten, etwas überdrehten Stimmung (nein, es war kein Alkohol im Spiel!). Die «Wachstumsschmerzen» waren soeben per Post gekommen, ich packte hastig aus, der rote Einband schien so recht meiner Laune zu entsprechen, ich schlug das Büchlein auf, begann zu lesen... und der erste Eindruck war in der Tat ein solcher, ein Druck, direkt in der Magengegend. Oh je, dachte ich, da ist aber mal eine ehrlich, uneitel, direkt, oh je... schwere Kost. Doch wie es so ist mit diesen kuriosen überdrehten Launen, normalisierte sich mein Zustand wieder, ich nahm mir erneut diesen Gedichtband, setzte mich mit einem Glas Rotwein in meinen geliebten Lesesessel und las und las und konnte gar nicht mehr aufhören.

Ihre kurzen Gedichte mag ich am liebsten. Obwohl Judith Fallers, in Gedichte gefasste Gedanken nicht zuverlässig vorhersehbar sind, oder eben genau deshalb, verblüffte sie mich, oder ich mich selber, wie etwa beim Lesen des Gedichtes mit dem Titel „Inhalt“. Ich las bis zum Ende der Seite, davon ausgehend, das Gedicht sei hier zu Ende, hielt ich einen Moment inne und dachte :“Das ist Frau sein“. Ich blätterte um, bemerkte meinen Irrtum, denn das Gedicht war ja noch nicht zu Ende. Die erste Zeile auf der nächsten Seite lautet: einfach frau sein.

Es sind Metaphern wie diese, die ich einfach nur wundervoll finde: (...) war ich schwanger mit einem wortkind wie dir? (...) Oder solche Wortspielereien: (...) dich breit gemacht und meine neurosen gegossen hast (...)
Und wer über jene Zeilen nicht wenigstens schmunzeln kann, der sollte Judith Fallers Gedichte nicht lesen, jedenfalls nicht an diesem Tag.

auswärts daheim

solltest du
hinter der
grinsenden
rissigen fassade
deines gesprächspartners
einen menschen finden –
sei froh
denn
meist ist keiner zuhause
(Judth Faller)

Einzig, was mir das Lesen und schnelle Verstehen etwas schwierig macht, sind die Momente, in denen sich die Lyrikerin entscheidet, mir voraus, in die nächste Zeile zu hüpfen. Doch ich bin gelehrig. Noch etwas, außer dem Zeilenhüpfen, lehrte mich Judith Faller: Daß man Großes alle Mal durchgehend klein schreiben kann! «Wachstumsschmerzen», 100 Gedichte von A bis z, von Abhängigkeit bis zulassen. Sich einzulassen auf die Sprache dieser Lyrikerin, Oberflächlichkeiten abzustreifen, Wahrheiten zuzulassen, dazu fordere ich Sie gerne auf, diesen Gedichtband zu zu lassen, keinesfalls!

 

 

Rezension von Elsa Rieger, Schriftstellerin aus Wien

 

Besser könnte man diese Lyriksammlung nicht benennen. Wachsen tut nämlich verdammt weh. Deswegen ertragen wir lieber üble Situationen als einen Schritt heraus zu tun. Denn Neues macht Angst. Bedeutet Risiko.

Die Autorin zeigt das in ihrer Lyrik. Doch nicht aufgesetzt oder üppig. Sie sagt einfach, was sie zu sagen hat. Nicht überfrachtet sondern unglaublich ehrlich kommen die Texte daher. Oft scharf und bitter, wenn das Lyrische Ich in eine ausweglose Lebensphase gelangt, aber dann wieder herzwarm, voller Liebe und Zärtlichkeit. Gedichte, die schlichtweg Trost spenden, gemischt mit Poesie, die beim Lesen körperlich schmerzt.
Faller kennt sich mit der menschlichen Psyche bestens aus. In jedem Wort zu lesen.
Empfehlenswert!